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Sprachbetrachtung und Textverständnis

Textverständnis

Du liest einen Text genau: richtig, falsch oder keine Angabe, passende Wörter, eigene Antworten.

Kurzgymnasium · Sprachbetrachtung und TextverständnisAufgabe 1 von 3 · 0 P.

Aufgabe 1

1 Punkt
Der Professor
  1. Das Portemonnaie lag auf dem Sitz neben mir, als ich im Vierertram
  2. von meinem Buch aufschaute. Es war aus braunem Leder und an den
  3. Ecken abgewetzt. Wem es gehörte, wusste ich nicht. Ich schaute mich
  4. um, aber niemand achtete auf mich. Also steckte ich es ein, bevor
  5. 5ich richtig überlegt hatte, und stieg an der nächsten Haltestelle aus.
  6. Zu Hause schloss ich die Zimmertür hinter mir und klappte das
  7. Portemonnaie auf. Darin steckten zwei Hunderternoten, ein Zettel
  8. und ein Schülerausweis. Das Gesicht auf dem Foto erkannte ich sofort:
  9. Ramon Gerber aus der Parallelklasse. Ramon nannte mich seit der
  10. 10ersten Sek nur «Professor», weil ich in der Pause lieber las, als
  11. Fussball zu spielen. Wenn er es sagte, lachten alle, und ich lachte
  12. mit, damit niemand merkte, wie sehr es mich störte.
  13. Zweihundert Franken. Ich dachte an die Kopfhörer im Schaufenster
  14. beim Bahnhof, die ich mir seit Monaten wünschte. Niemand hatte mich
  15. 15gesehen. Und hatte Ramon es nicht verdient? Eine Weile sass ich da
  16. und drehte den Ausweis zwischen den Fingern. Dann faltete ich den
  17. Zettel auseinander. «Geschenk für Nonna: Schal (rot!), Karte, Blumen»
  18. stand darauf, in einer runden, sorgfältigen Schrift. Darunter hatte
  19. jemand ein kleines Herz gezeichnet.
  20. 20Ich zog die Jacke wieder an.
  21. Die Adresse stand auf der Rückseite des Ausweises. Das Haus lag am
  22. anderen Ende des Quartiers, und ich ging so langsam wie möglich.
  23. Unterwegs übte ich Sätze ein. «Ich habe das gefunden.» Oder besser
  24. gar nichts sagen, das Portemonnaie in den Briefkasten werfen und
  25. 25verschwinden. Doch der Briefkasten hatte nur einen schmalen Schlitz.
  26. Ein kleines Mädchen öffnete die Tür. Hinter ihm tauchte Ramon auf,
  27. mit geröteten Augen, als hätte er geweint. Als er mich sah, blieb er
  28. stehen. Ich hielt ihm das Portemonnaie hin. Er nahm es, öffnete es
  29. und zählte nach, ohne mich anzusehen. «Das Geld ist für das Geschenk
  30. 30unserer Grossmutter», sagte er leise. «Wir haben alle zusammengelegt.»
  31. Dann schwieg er. Ich nickte, murmelte etwas von «im Tram gefunden»
  32. und ging, bevor er noch etwas sagen konnte.
  33. Am Montag stand ich wie immer mit meinem Buch in der Ecke des
  34. Pausenplatzes. Ramon kam mit seinen Kollegen vorbei. Ich wartete auf
  35. 35das Wort und auf das Lachen. Doch Ramon blieb stehen, schaute kurz
  36. auf mein Buch und dann zu mir. «Ist es spannend, Luca?», fragte er.
  37. Seine Kollegen sahen ihn verwundert an. Ich brauchte einen Moment,
  38. bis ich verstand, was an diesem Satz anders war.

Welches Wort aus dem Text, Zeilen 1–5, passt am besten zur folgenden Aussage? Notiere nur ein Wort.

Das Leder des Portemonnaies ist an den Ecken stark abgenutzt.

Antworte mit einem Wort oder wenigen Wörtern, nicht mit einem ganzen Satz.